Mehr Wildkatzen in Deutschland

Die Zahl der seltenen Wildkatzen steigt in Deutschland immer weiter. Das zeigen die ersten Ergebnisse einer Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz. Erstmals wurden dabei auch Vorkommen im Kottenforst bei Bonn und im Odenwald nachgewiesen. Und nicht nur die Verbreitung der Wildkatzen wurde dabei untersucht, sondern auch die genetischen Unterschiede zwischen den einzelnen Populationen. Das Projekt Wildkatzensprung wird vom Bundesumweltministerium mit insgesamt 3,8 Millionen Euro unterstützt. Der BUND und andere Partner tragen weitere 1,32 Millionen Euro bei.
„Die Wiederbesiedelung ehemaliger Lebensräume ist ein erster Erfolg der intensiven Bemühungen zum Schutz der Wildkatzen, die darüber hinaus auch vielen anderen auf großräumige Laub- und Mischwälder angewiesenen Arten zugutekommen. Besonders erfreulich ist diese Entwicklung auch aufgrund der Tatsache, dass die Europäische Wildkatze ihren Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland hat und wir damit eine besondere Verantwortung zu ihrem Erhalt haben“, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. „Es liegen jedoch noch große Aufgaben vor uns. Wildkatzen sind durch Landschaftszerschneidung in isolierte Waldgebiete zurückgedrängt. Die für die nächsten Jahre geplanten genetischen Untersuchungen werden uns wichtige Antworten über die Art der Bedrohung der heimischen Wildkatzen geben und wie wir ihnen am besten helfen können“, so Jessel.

Als Ursache für die Isolierung der Wälder gelten neben Straßen auch die intensive Landwirtschaft und Siedlungen. Mögliche Folgen der Zerschneidung sind kleine Teilpopulationen sowie Inzucht und damit eine Gefährdung der Art.

Der BUND bemüht sich seit 2004, die Waldgebiete durch sogenannte Korridore wieder miteinander zu vernetzen und somit wieder den genetischen Austausch zwischen den Regionen zu ermöglichen. Ziel ist dabei ein Waldverbund von insgesamt 20.000 km Länge.

Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND: „In den kommenden Jahren sind deutschlandweit sechs weitere große Korridore sowie Waldaufwertungen geplant. In Hessen wurde in diesem Herbst bereits mit ersten Pflanzungen begonnen. Wir sind auf dem richtigen Weg, müssen unsere Bemühungen für eine Verbesserung der grünen Infrastruktur aber noch über viele Jahre fortführen, um die Artenvielfalt in Deutschland zu erhalten. Dafür setzen wir weiter auf Unterstützung durch Politik, Land- und Forstwirtschaft und andere Partner.“

Thomas Mölich, beim BUND verantwortlich für die „genetische Wildkatzeninventur“: „Es gibt viele Hinweise darauf, dass die scheuen Tiere nicht in ausreichender Zahl zwischen einzelnen Waldgebieten wandern können. Gleichzeitig belegen die Untersuchungsergebnisse das Bestreben der Tiere, neue Lebensräume zu besiedeln. Um die Wanderungen zu ermöglichen, müssen weitere Hindernisse beseitigt werden. Das kommt auch anderen Tierarten zugute.“

Bisher wurden über 600 Haarproben von Tieren aus 14 deutschen Waldregionen analysiert. Der BUND beauftragte dazu das Forschungsinstitut Senckenberg. Die Untersuchung ist auf 3 bis 4 Jahre ausgelegt. Die jetzt veröffentlichten Daten sind Teilergebnisse des ersten Erhebungsjahres. Insgesamt wurden 1372 Haarproben im Winterhalbjahr 2011/12 gesammelt. Davon wurden in 380 Proben Wildkatzen nachgewiesen. Einige Tiere konnten dabei an unterschiedlichen Stellen nachgewiesen werden und gaben somit wichtige Hinweise zum Wanderverhalten der Tiere. Um die Haarproben sammeln zu können, werden Holzpflöcke mit einer Katzen anlockenden Baldrianlösung besprüht und aufgestellt. Die Tiere reiben sich daran und hinterlassen dabei Haarproben.

Bildquelle: Ich-und-Du / pixelio.de

Link: www.bund.net/wildkatze

Februar 27, 2009